Schaffens-Krisen-Bewältigung

Ein kurzer Satz. Mehr war nicht nötig. Mit einem einzigen Satz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt: „Wir schaffen das.“ Tag für Tag kommen Tausende Flüchtlinge nach Deutschland – und die Bundeskanzlerin konstatiert knapp: „Wir schaffen das.“ Mut wollte sie machen, Hoffnung verbreiten. Der Satz hat aufhorchen lassen.

Ein kurzer Satz. Mehr war nicht nötig. Ein einziger Satz droht der Bundeskanzlerin zum Verhängnis zu werden: „Wir schaffen das.“ Tag für Tag kommen Tausende Flüchtlinge nach Deutschland – und die Bundeskanzlerin konstatiert knapp: „Wir schaffen das.“ Im Laufe der Zeit verblasst die anfängliche ermutigende Wirkung dieses Satzes. Stattdessen gewinnen die Anfragen die Oberhand. Schaffen wir das wirklich? Reichen unsere Kräfte aus? Wie soll das mit den vielen Menschen bloß funktionieren? Und schnell bewirkt der Satz das Gegenteil dessen, was erzielt werden sollte.

Wie sollen wir das bloß schaffen? Wer so fragt, der hat in erster Linie die unzählbare Menge an Schutz suchenden Menschen vor Augen. Tausende kommen. Tag für Tag. Was hilft es vor diesem Hintergrund schon, wenn eine Familie ein neues Zuhause findet? Die kleinen Erfolgsgeschichten nehmen sich winzig aus angesichts der Größe der Herausforderung. Das reicht ja nicht einmal für den berühmten Tropfen auf den heißen Stein.

Denken Sie auch manchmal so? Ich ertappe mich immer wieder dabei. Das kann mit den Flüchtlingen zu tun haben. Aber manchmal überfallen mich solche Gedanken auch im privaten Bereich oder im Beruf. Da kommen Herausforderungen auf mich zu, die so übermächtig groß wirken, dass ich aufgebe – ohne es überhaupt versucht zu haben. Ich kapituliere, werde starr vor Schreck angesichts der Schatten, die die Herausforderungen vorauswerfen.

Wenn es mir so ergeht und eine Lähmung droht, dann hilft mir eine Erzählung aus dem Markusevangelium aus der Sackgasse. Und zwar die sogenannte „Speisung der 5000“.

Folgende Ausgangssituation begegnet uns: Jesus und seine Jünger sind zusammen mit (mindestens) 5000 Menschen an einem einsamen Ort. Gegen Abend fordern die Jünger Jesus auf, die Menge wegzuschicken. Schließlich brauchen diese vielen Menschen etwas zu essen. Ein durchaus vernünftiger Vorschlag der Jünger. Doch Jesus spielt den Ball zurück: „Gebt ihr ihnen zu essen“. Und dann geht es ganz schnell, die Überforderungsspirale beginnt sich zu drehen: Woher sollen wir bloß in dieser einsamen Gegend so viel Brot bekommen, dass es für alle reicht? Wer soll das alles bezahlen? Wie sollen wir das bloß schaffen?

Panik kommt auf. Doch Jesus unterbricht die Spirale: „Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach!“ Ein genialer Schachzug Jesu. Er bringt seine Jünger zu einem Perspektivwechsel. Er lenkt den Blick der Jünger weg von der unbewältigbar wirkenden Größe der Herausforderung. Er lenkt ihn hin auf das, was an Ressourcen vorhanden ist – auch wenn dies vielleicht lächerlich wenig ist. Fünf Brote und zwei Fische sind es in der Erzählung. Doch in der Folge konzentrieren sich die Jünger auf ihre eigenen Möglichkeiten und sie setzen diese ein. Und – oh Wunder – es reicht. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar mehr übrig, als ursprünglich vorhanden gewesen ist.

Wenn bei mir angesichts aussichtslos erscheinender Herausforderungen die Überforderungs- und Panikspirale in Gang kommt, dann hilft mir diese Erzählung sehr. Sie durchbricht die drohende Lähmung. Sie motiviert mich, nicht vorschnell zu kapitulieren, sondern das mir Mögliche zu tun. Und dann kann ich die Erfahrung machen, dass alle satt werden. Dass meine Ressourcen, egal wie unbedeutend sie scheinen, ausreichen. Auch wenn ich es nicht erklären, schon gar nicht erzwingen kann. Bei Gott ist nichts unmöglich.

Diese Erfahrung wünsche ich auch Ihnen – immer wieder.

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