Perspektivwechsel

In den katholischen Gottesdiensten wurde am ersten Advent eine Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaia vorgelesen:

Du, Herr, bist unser Vater, «Unser Erlöser von jeher» wirst du genannt. Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, sodass wir dich nicht mehr fürchten? Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind. Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge zittern vor dir. Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.

„Reiß die Himmel auf“, „komm herab, sodass die Berge zitter vor dir“ – Ausrufe eines Volkes in Not, das hofft, dass Gott mit Macht kommt und die Situation ändert.
Dieser Bibeltext steht am Beginn des Advent, weil auch wir die Ankunft Gottes erwarten. Und ist es nicht so, dass auch wir – offen oder verschämt – gern einen Gott hätten, der machtvoll handelt, der das Leid auf Erden bekämpft, Kriege mit mächtiger Hand beendet und Frieden, Glück und Wohlstand schafft?

Wie es an Weihnachten dann kommt, wissen wir: ein Kind in der Krippe, arm, macht- und wehrlos. Kein Zittern vor Angst, allenfalls vor Kälte.
Hier zeigt sich Gott völlig anders – nicht wir ihn wollen, sonder wie er will: den Menschen als Mensch zugewandt, allmächtig nur in der Ohnmacht der Liebe.

Hoffnung oder Enttäuschung für uns?

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