Verunsicherung oder Heimat?

„Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien ihnen Elija und mit ihm Moses und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte.

Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.

Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander was das sei: von den Toten auferstehen. “  (Mk 9,2-10)

Der Evangelist Markus schildert diese Szene als einen Höhepunkt (im wahrsten Sinne des Wortes, da auf dem Berg!) seines Evangeliums. Diese Verklärung wirft viele Fragen auf – eine  wesentliche ist: wozu dient Religion? Zur Verunsicherung und Eröffnung neuer Perspektiven oder als Rückzugsort, als Heimat in unübersichtlichen Zeiten? Der Dichter und Theologe Christian Lehnert formuliert: „Religion kann man von zwei Seiten her verstehen, als stabilisierendes oder verunsicherndes Treiben.“ (C. Lehnert, Der Gott in einer Nuß, Berlin 2017, S. 126).

Für Markus ist sie eindeutig letzteres: die wirkliche Begegnung mit Jesus verstört, Petrus weiß nicht, was er sagen soll – er ist ganz benommen. Und auf dem Weg zurück beschäftigt die drei Jünger die Frage, was Auferstehung sein soll.

Religion ist also kein sanftes Ruhekissen, keine behagliche Heimat, keine Hütte. Sie verunsichert, zeigt neue Perspektiven auf und reißt aus gewohnten Gleisen und festgefügten Weltbildern.

Daher ist Religion, die nur bewahren will, nicht im Sinne Jesu, wie ihn Markus schildert.

Glaube und Religion wollen den neuen Blick einüben, Veränderung und damit wahres Leben ermöglichen.

Die Texte der Bibel ermutigen dazu in vielfacher Weise – lassen wir uns anregen!

Pascal Schmitt, Freiburg

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