Leben in Fülle

Der Start ins Jahr 2016? Schlecht. Die Probleme in unserer Welt scheinen täglich mehr zu werden und Lösungen sind kaum in Sicht. Umso überraschendere Interpretationen bietet ein bekannter Text aus dem Johannesevangelium, den die Leseordnung der katholischen Kirche vorsieht: Die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus Wasser in Wein verwandelt (Joh 2,1-12).
Mit dem Fest der Taufe Jesu (in diesem Jahr am Sonntag, den 8. Januar) endet die Weihnachtszeit und wir gehen sozusagen in den Alltag über. Und der beginnt mit dieser Hoffnungsgeschichte, die am Anfang dieses Jahres von Lebensfreude pur spricht!
Nicht die Heilung eines Kranken, keine Lehrrede, nein – die Rettung eines Festes ist das Ziel dieses Zeichens (so nennt der Evangelist Johannes die Wunder), Rettung durch Wein! Wein ist Zeichen für Leben in Fülle, schlicht für Lebensfreude und Genuss. Und es ist das erste Zeichen, das Jesus im Johannesevangelium tut! Dabei beginnt die Geschichte alles andere als hoffnungsvoll: Jesu Mutter bemerkt, dass auf der Hochzeit der Wein ausgeht und sagt das ihrem Sohn. Der antwortet sehr schroff und abweisend, man kann übersetzten: „Was habe ich mit Dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Also kein Wein, Ende des Festes.
Die Mutter Jesu aber sagt den Dienern einfach: „Was er euch sagt, das tut.“ Und Jesus gibt einfache, praktische Anweisungen: Füllt die Krüge mit Wasser, bringt das Wasser dem Speisemeister. Mehr nicht. 400 bis 700 Liter fassen die 6 Krüge, in denen das Wasser zu Wein wird. Und nicht zu irgendeinem billigen Fusel, nein zu sehr gutem Wein, wie der Speisemeister, der den Wein kostet, zum Bräutigam meint: „Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ Guter Wein im Überfluss – eine schöne Verheißung am Anfang des Jahres.
Wir brauchen solche Verheißungen für unser Leben – gerade wenn die Krüge der Hoffnung leer zu sein scheinen, wenn die Festfreude zu verfliegen und die Hoffnung zu schwinden droht. „Sie haben keinen Wein mehr!“ – das gilt oft auch uns.
Die Diener tun, was nötig ist – nicht mehr. Und daraus entsteht mehr als gedacht und erhofft. Ein Bild für uns: Auch wenn es zunächst – beim Blick in unsere Welt – nicht danach aussieht: Leben in Fülle ist uns verheißen und möglich.

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