Der Weg ist nicht das Ziel

Eine irritierende Beobachtung zu den Wallfahrtspsalmen am Jahresbeginn

Gerade am Beginn des Jahres, das eine neue Wegstrecke von 365 Tagen bereit hält, könnte man meinen, das Gegenteil der Überschrift sei richtig: Der Weg ist das Ziel. Immerhin, hinter dieser Formulierung steht eine lange Tradition: Sie wird gemeinhin dem chinesischen Philosophen Konfuzius (551 – 479 v. Chr.) zugeschrieben. Das ist zwar räumlich gesehen weit weg vom Herkunftsraum der Bibel, doch zeitlich sind wir damit genau in einer wichtigen Phase der biblischen Geschichte. 539 v. Chr. haben die Perser die Babylonier als Herrscher des Orients abgelöst und für das Volk Israel beginnt die Phase der Rückkehr aus Babylonien nach Jerusalem sowie die Neuorganisation des eigenen Lebens rund um den 515 v. Chr. eingeweihten Tempel von Jerusalem.

War das nicht auch die Erfahrung Israels: Der Weg ist das Ziel? Die eben beschriebene Geschichtsphase wird umrahmt vom Weg in die Gefangenschaft und vom Weg zurück in die verlorene Heimat. Doch jeder weiß: Was nach Ziel aussah, war nur von sehr vorläufiger Natur. Denn spätestens 70 n. Chr. endet mit der Zerstörung Jerusalems durch Rom, was man für ein erreichtes Ziel hätte halten können. Es beginnt endgültig die Zeit des Unterwegsseins in der Welt für das Judentum.

Und ist es nicht so, als hätte Israel Konfuzius vorweggenommen, indem es in seiner Heiligen Schrift auch schon lange vor dem chinesischen Denker im Wesentlichen Weggeschichten erzählt? Die Abrahamerzählung, die Hin- und Herbewegung der Joseferzählung, der vierzigjährige Zug durch die Wüste unter der Führung des Mose, der innerhalb der Fünf Bücher Mose noch nicht einmal zum Ziel kommt – lassen sie nicht alle den Weg wichtiger als das Ziel erscheinen.?

Und das Neue Testament scheint sich hier nahtlos anzuschließen. Rastlosigkeit ist ein durchgängiges Motiv, egal ob wir vom umherziehenden Jesus oder dem missionarisch getriebenen Paulus lesen. Und dann heißt es ja auch noch von diesem Jesus, wie in einem Brennglas die eigene Sendung zusammenfassend: „Ich bin der Weg …“ (Joh 14,6).

Wir kommen nicht daran vorbei: Der Weg ist eine ganz zentrale Metapher in der Heiligen Schrift. Aber lautet ihre Auflösung ins weniger Bildhafte wirklich, dass alle Texte und Erzählungen, die sie verwenden, den Weg bereits als das Ziel propagieren wollen?

Eine überraschende Beobachtung wird machen, wer sich mit dieser Frage im Gepäck an die Lektüre der Psalmen 120 – 134 macht.  Man könnte diese Zusammenstellung von insgesamt 15 Psalmen als eine Art Pilgergebetbuch betrachten. Tatsächlich werden sie alle zusammengehalten durch ein Überschriftwort, das sehr oft – so auch in der revidierten Einheitsübersetzung – mit „Wallfahrtslied“ übersetzt wird. Auch wenn diese Übersetzung nicht als absolut sicher gelten kann, da hebräisch ma’alot zunächst einmal „Aufstiege“ oder „Stufen“ bedeutet, passt sie doch sehr gut zum Gesamtgefüge dieser geistlichen Lieder, das unabhängig von allen Konkretionen eine Bewegung von einem wo auch immer liegenden Herkunftsort (Ps 120,5 verweist mit Meschach und Kedar eher im Sinne von Platzhaltern auf nördliche und südliche Randbezirke) zum Tempel von Jerusalem erkennen lässt. In ihm empfangen die Betenden schließlich in einem nächtlichen Gottesdienst noch einmal den Segen (vgl. Ps 134), um danach vermutlich in den Alltag ihrer Herkunftsorte zurückzukehren.

Zumindest aus heutiger Betrachtung, die nicht zuletzt durch den „Boom“ des Pilgerns auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela geprägt ist, würde man in einem solchen Pilgergebetbuch die Entfaltung einer „Theologie des Weges“ erwarten und vermuten. Tatsächlich zeigt die Lektüre der Psalmen aber etwas völlig anderes: Der eigentliche Pilgerweg  wird in genau zwei Versen gleichsam „kondensiert“:

„Ich freute mich, als man mir sagte:
Zum Haus des Herrn wollen wir gehen.
Schon stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem“ (Ps 122,1-2).

Alles vorher ist betende Reflexion über die Aufbruchssituation (Ps 120 – 121), alles was folgt, nimmt das offensichtlich bereits erreichte Jerusalem in den Blick (Ps 122.125-127.132-134)oder ergeht sich in grundsätzliche Betrachtungen des Handelns Gottes (Ps 124.130) bzw. des Ergehens der Menschen (Ps 123.128.129.131).

Dem Pilgergebetbuch geht es offensichtlich nicht um den Weg, geschweige dass er das Ziel wäre. Es geht vielmehr – und davon sprechen immerhin sieben der Wallfahrtspsalmen – um Jerusalem. Aber auch dieses ist nur Zwischenstation. Der offene Schluss der Gesamtkomposition in Ps 134, der mit der Segensbitte in den Alltag entlässt, wie Gott mit dem Schöpfungssegen sein Werk in den Alltag des Seins und Lebens entlässt (vgl. Gen 2,3), macht dies deutlich. Der Wallfahrtspsalter spricht so viel von Jerusalem, dem Zion, dem Tempel als Wohnung Gottes und seinem Heiligtum, weil dieser Ort auf den verweist, dem selbst zu begegnen, den wirklich zu sehen das eigentliche Ziel ist. Genau das ist dem irdischen Menschen nicht möglich. Die räumlich (im Tempel) erfahrbare, und doch nie aus der Verborgenheit von Unsichtbarkeit, Ritus, Gebet und der sinnlichen Erfahrung von Sakralität heraustretende Gegenwart Gottes stärkt zwar für all die Wege, die so vielfältig wie die Menschen selber sind, damit diese ihr Ziel erreichen. Aber sie bleibt bei aller denkbaren Intensität vorläufig. Das durch keinen Weg ersetzbare Ziel ist Gott selbst, und zwar in unverhüllter Direktheit – von Angesicht zu Angesicht. Das Ziel ist die von allen „Zwischenmedien“ befreite Begegnung mit dem Schöpfer, der geduldig auf ein jedes seiner Geschöpfe wartet (vgl. das Bild vom himmlischen Jerusalem ohne Tempel, Leuchte und Stadttore in Offb 21,22- 22,5). Deren Weg ist nicht ein vorbestimmter, aber auch kein zufälliger. Es ist der von Gott ermöglichte und durch den Ruf ins Dasein initiierte, der nun aber vom Menschen selbst zu gestalten ist. Von diesen Gestaltungsmöglichkeiten und den dazu notwendigen Hilfen sprechen die Psalmen. Denn natürlich besteht auch immer die Gefahr, auf „krumme Wege“ (das Ps 130,3 verwendete Wort ‚awōn für „Sünde“ hat mit „krumm sein“ zu tun) zu geraten. Im Weg das Ziel zu sehen, überfordert das Leben und übersieht, dass wir zu viel Größerem berufen sind als zum ständigen Gehen, das oft genug ein mühseliges Stolpern, manchmal aber auch ein zu forsches, die „Kollateralschäden“ übersehendes Voranschreiten ist.

Wiederum mit einer Metapher gesprochen: Das Ziel ist nicht der Weg, sondern die „Ruhe“ (vgl. Hebr 4,3  unter Rückgriff auf Ps 95 und Gen 2,2), die nicht mit Langeweile zu verwechseln ist, sondern beglückende Erfüllung von Sehnsucht und das Ende aller Ängste, Getriebenheiten, Zwänge, Nöte, Depressionen oder auch die Selbsttäuschung über die Bedeutsamkeit von Erreichtem meint. Auf dem Weg dorthin braucht es „Tankstationen“, Vorerfahrungen dieser Ruhe. Im Wallfahrtspsalter wird das Erleben der Gegenwart Gottes im Tempel als eine solche „Tankstation“ erkennbar und benannt. Die Verse 8 und 14 in Ps 132 pendeln bedeutungsmäßig wohl zwischen dem realen Tempel als Ruheort und dem Tempel als Symbol für  den auf Erden nie zu habenden, aber als Ziel erwarteten Ruheort. Bedenkt man, dass zwar am Ende nicht der Tempel Bestand hatte, wohl aber das Pilgergebetbuch weiter exisitiert und gebetet wird, zeigt sich, dass es darum geht, im Beten seine vorläufigen, aber stärkenden geistlichen Ruhestationen zu finden, die einen nicht vergessen lassen, dass nicht der Weg, sondern Gott selbst als Weginitiator, Wegbegleiter (vgl. hierzu neutestamentlich die Emmausgeschichte in Lk 24,13-35 oder die Zusage aus Mk 16,7, dass der Auferweckte im Alltag von Galilä – also auch unserem Alltag – anzutreffen sei) und am Ende auf uns Wartender das Ziel ist.

In diesem Sinne wünsche ich ein immer wieder zu „Wassern der Ruhe“ (Ps 23,2) führendes Jahr 2018.

Gunther Fleischer, Köln

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„Das habe ich nicht erwartet!!“

„I wasn’t expecting that“Jamie Lawson

Wie steht es bei Ihnen, bei dir und natürlich auch bei mir, dem Schreiber dieses Blogs, mit dem Unvorhergesehenen, den Überraschungen im Leben, mögen sie positiv oder auch mal nicht so positiv sein?

Oh, das habe ich überhaupt nicht gedacht, erwartet, vorausgesehen!

Der englische Sänger Jamie Lawson erzählt in seinem Song „Wasn‘t expecting that“ von den unerwarteten Dingen, von der Lebens- und Liebesgeschichte eines Paares, angefangen von einem ersten Lächeln, von den Momenten, die das Leben verändern bis am Ende einer allein ist, da die andere stirbt.

„It was only a smile but my heart it went wild
„Es war eigentlich nur ein Lächeln, aber mein Herz spielte verrückt
and I wasn’t expecting that
Das hat mich selbst etwas überrascht
just a delicate kiss, anyone could’ve missed
Dann ein Kuss …. so flüchtig, dass ich ihn kaum mitbekommen habe
I wasn’t expecting that
Ich habe es nicht erwartet

Isn’t it strange how a life can be changed
Oh, und ist es nicht merkwürdig, wie ein ganzes Leben sich verändern kann
in the flicker of the sweetest smile
In dieser einen Sekunde, die das süßeste aller Lächeln dauert?
We were married in spring
Und im Frühling waren wir bereits verheiratet
You know I wouldn’t change a thing
Du weißt, ich würde alles genau so wieder machen
Without an innocent kiss, what a life I’d have missed“
Was hätte ich alles verpasst, ohne diesen Kuss, diesen ganz unschuldigen Kuss“

Das habe ich nicht erwartet – Wasn’t expecting that…

In den Tagen um Weihnachten werden manche von uns, einige oder auch viele die Erzählungen in der Bibel rund um die Geburt Jesu hören oder auch lesen.

Dass diese Geschichten rund 2000 Jahre später zu einer einzigen Weihnachts­story und einem idyllischen Bild in stimmungsvollen Weihnachtsfeiern zusam­men­geschmolzen sind, haben die ursprünglichen Autoren sicher nicht geahnt. Matthäus und Lukas, so nennen wir die anonymen Schriftsteller, schreiben für die dritte, vielleicht auch vierte Generation christlicher Communities, die mit dem Ausbleiben der Wiederkunft des Messias und dem Eintreten der ersten reichsweiten Christenverfolgung im Herrschaftsbereichs Roms unter Kaiser Domitian in eine innere und äußere Krise geraten sind.

It wasn’t expecting that – Ist das messianische Projekt gescheitert?

Die Evangelienschreiber wollten keine Idylle liefern, auch wenn wir heute ihre Texte als sehr schön empfinden.
Sie wollten Krisen literarisch bewältigen!
Und sie zeigen auf, dass von Anfang an Jesus als der von Gott gesandte und von Gott gewollte Messias in diese Welt gekommen ist.

It wasn’t expecting that – So haben wir das nicht erwartet!

Wie am Ende ihrer Erzählungen wird auch am Anfang der Messias nicht in seiner Vollmacht, sondern in seiner Ohnmacht vorgestellt.

Als Kind. Sein Auftrag wird sein, nicht die eigene Herrschaft aufzurichten, sondern die Herrschaft GOTTES.

Mit einem Kind – klein, ohnmächtig, ohne Herberge, verfolgt, auf der Flucht, aber mit dem Namen „Immanuel – Gott ist mit uns“, soll es anfangen.

Das ist die Botschaft, aus der die Gemeinden des Matthäus und des Lukas neu Hoffnung schöpften, angesichts ihrer Situation.

Das messianische Projekt ist anders und doch nicht gescheitert.

 It wasn’t expecting that!  – Das hat mich dann doch überrascht!

Was erwartest du, was erwarten Sie in diesen Tagen vor Weihnachten und dann? Und was haben wir nicht erwartet?

Die Zeit, die schon gekommen ist und die noch kommt, wird eine Antwort haben. Mag es Überraschungen, positiv oder auch nicht so positiv, geben.

Vielleicht führt uns der Gedanke, dass gerade auch im Kleinen, im Ohnmächtigen, abseits vom Glanz, Wichtiges geschieht, – wie damals in den Erzählungen der „Weihnachts-Schriftsteller“ -, dahin, Weihnachten heute mit anderen Augen neu zu sehen.

 It wasn’t expecting that! – Das wäre doch eine Überraschung!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen / euch / dir vom Blog Unkraut und Weizen

FROHE WEIHNACHTEN

Dr. Ulrich Kmiecik, Berlin

 

 

Alles auf Anfang

Alles auf Anfang! Ganz neu beginnen mit etwas, das misslungen, oder furchtbar schiefgegangen ist. Alles auf Anfang. Beim Film gibt es das. Eine Szene wurde gedreht, der Regisseur oder Produzent ist nicht zufrieden. Also dreht man alles noch einmal von vorne. Das geht zwar ganz schön ins Geld, aber es geht. Alles auf Anfang, bis die Szene im Kasten ist.

Alles auf Anfang. Manchmal würde ich das auch gerne. Ganz neu anfangen. Aber anders als im Film. Ich hätte manchmal gerne die Chance, meine Fehler nicht noch mal zu machen. Das gehört wohl zu jedem Menschenleben: das gelegentliche Verlangen, mit etwas noch einmal ganz neu anzufangen. Aber das Leben ist eben kein Film.

Es gibt im Leben Situationen, in denen ein Neuanfang verdammt schwerfällt. Vielleicht sogar ganz unmöglich ist. Gerade da, wo man sich einen Neuanfang verzweifelt herbeisehnt, geht oft gar nichts mehr.

Manchmal ist eine Beziehung zwischen Menschen so zerstört, dass man sie nicht mehr heilen kann. Manchmal sind da so viele Altlasten, dass man nicht mehr in der Lage ist, die Beziehung zu kitten. Manchmal ist ein Leben so zerstört, so in die falsche Richtung gelaufen, dass nichts mehr zu verbessern ist, nichts mehr saniert werden kann. Und jeder weiß, ich kann nicht noch einmal von vorne beginnen zu leben. Ich kann nicht noch einmal geboren werden und alles ganz anders machen.

Wenn da jemand einen ganz neuen Anfang schenken würde – das wäre die Lösung. Das wäre die Erlösung.

Von diesem geschenkten Neuanfang spricht der Evangelist Lukas in seinem Evangelium:

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. (Lk 1,26-38)

Der Engel verkündet den Neuanfang, den Gott mit den Menschen vorhat: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höch­sten wird dich überschatten.“

Der Heilige Geist, das ist die Kraft Gottes, mit der er Neues schafft. Der Geist, den der Engel verkündet, ist der Geist, mit dem Gott die ganze Welt geschaffen hat.

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höch­sten wird dich überschatten.“ Mit der Kraft dieses Geistes beginnt Gott wirklich etwas ganz Neues.

Gott selbst will in Jesus Mensch werden und das Wunder eines gelungenen Lebens, einer gelungenen Schöpfung zeigen. In Jesus Christus schenkt Gott Erlösung, wo Menschen keine Lösung mehr finden können. Die Altlasten, unsere Schuld, unser Versagen, unsere Schwäche wird er auf sich nehmen und tragen bis ans Kreuz.

Gott schenkt uns einen ganz neuen Anfang. Völlig unbelastet.

„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höch­sten wird dich überschatten.“

Diese Botschaft des Engels gilt auch uns. Ein gesegneter Gruß für den kommenden Advent.

Endlich verständlich?!

Das Wunder der Horizonterweiterung ereignete sich vor beinahe zwei Jahrtausenden in Jerusalem: Menschen aus aller Welt hören am Pfingsttag die Jünger in ihrer jeweiligen, eigenen Sprache predigen: „Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?“ (Apg 2,8). Ausnahmslos alle können verstehen. Welch‘ großartige Vision …

Heute dagegen ist für viele Menschen die Sprache (in) der Kirche fremd und unverständlich geworden – nicht nur für Kirchenferne oder Menschen mit Verständnisschwierigkeiten. Mehr denn je bedarf kirchliches Leben deshalb einer leicht(er) verständlichen Sprache, sei es im Gottesdienst oder in der Gemeindearbeit, im Kirchenanzeiger oder im Religionsunterricht, bei Haupt- wie Ehrenamtlichen.

Das Potential einer leicht verständlichen Sprache

Die ursprünglich im Kontext der Behindertenarbeit entwickelte so genannte „Leichte Sprache“ kann dafür wertvolle Denkanstöße liefern. Leichte Sprache ist eine barrierefreie Art des Redens und Schreibens, die bestimmten Grundsätzen folgt. Ihr oberstes Ziel ist Verständlichkeit. Deshalb verzichtet sie auf Fremdwörter oder schwierige Begriffe. Sie macht kurze Sätze und verwendet auch mal die Umgangssprache. Und sie wird durch Bilder oder Illustrationen ergänzt (für weitere Informationen siehe www.leichtesprache.org und Heft 4/2017 der Zeitschrift Katechetische Blätter).

Die Impulse und Einsatzmöglichkeiten einer solchen leichter verständlichen Sprache im kirchlichen Raum sind vielfältig. Vermeldungen, Pfarrbriefe und Einladungen werden besser verständlich, Predigten einfacher und klarer, Gottesdienste für alle geeignet. Die Beschäftigung mit den Prinzipien der Leichten Sprache weitet den Horizont: Denn sie nimmt konsequent und wertschätzend auch diejenigen in den Blick, die oft am Rande stehen, weil sie nicht mehr oder noch nicht alles verstehen: Menschen mit Behinderungen, Kinder, Senioren, kirchlich oder religiös „Unmusikalische“, Migranten, Geflüchtete …

Biblische Horizonterweiterung

Mit am deutlichsten wird diese mögliche Horizonterweiterung bei Texten der Bibel. Hier geht das Projekt „Evangelium in Leichter Sprache“ der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus Nürnberg, des Katholischen Bibelwerks Stuttgart e. V. und der Thuiner Franziskanerinnen neue Wege. Seit 2013 werden von einem über ganz Deutschland verstreuten Team die Sonntagsevangelien in Leichte Sprache übertragen und kostenlos im Internet (www.evangelium-in-leichter-sprache.de) und in Buchform (Reihe „Bibel in Leichter Sprache“ im Verlag kbw) angeboten – leicht verständlich, knapp kommentiert und anschaulich illustriert. Zunächst für Menschen mit Lernschwierigkeiten gedacht, bilden diese ganz eigenen Bibeltexte eine unverzichtbare Ergänzung zu den klassischen Bibelausgaben und können auch für andere Zielgruppen hilfreich sein und neue Perspektiven eröffnen.

Bauliche Barrierefreiheit ist längst Standard in Kirche wie Gesellschaft – sprachliche Barrierefreiheit sollte es ebenso werden. Eine leicht verständliche Sprache – mündlich wie schriftlich – gehört deshalb zum Handwerkszeug der Arbeit von Ehren- wie Hauptamtlichen. Wer den Auftrag Jesu, ausnahmslos allen Menschen Gottes frohe Botschaft vom Leben in Fülle und Vielfalt zu verkünden (vgl. Mt 28,16-20; Joh 10,10), ernst meint, kommt an der Leichten Sprache nicht vorbei.

Ausnahmslos alle sollen verstehen

Noch einmal zurück nach Jerusalem: Das Pfingstwunder besteht interessanterweise nicht darin, dass der Geist eine neue Einheitssprache schafft – Babel wird gerade nicht rückgängig gemacht. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Gottes Wort beginnt, ausnahmslos alle Sprachen zu sprechen.

Mit anderen Worten: Nicht die Vielfalt wird vereinheitlicht, sondern die Einheit entfaltet – ein grundlegender Perspektivenwechsel. Ausnahmslos alle sollen verstehen!

 

Claudio Ettl, Nürnberg

(Überarbeitete Fassung eines Beitrags aus Heft 5/2017 der Zeitschrift Gemeinde creativ; der Autor ist Mit-Initiator und Verantwortlicher des Projekts Evangelium in Leichter Sprache)

Logo: evangelium-in-leichter-sprache.de/D. Groß

 

Hören und lesen

Eine Story hören, die mit der eigenen Geschichte zu tun hat, ist ergreifend. Dramatisch schildert dies Nehemia (3. Jh. v. Chr.), der Esra bei einer Lesung der Weisung des Herrn die Menschen zum Weinen bringt (Neh 8,1-12). Dieses Vorlesen und damit Hören der Schrift ist das Urbild unseres Wortgottesdienstes.

Seit jener Zeit hat sich bis zum heutigen Tag in der Vermittlung des Textes im Gottesdienst kaum etwas verändert. Wir hören den mündlichen Vortrag der Schriftleserinnen und Schriftleser. Die Kunst des Hörens ist angesagt.

Zur Zeit des Esra waren eingeladen „Männer und Frauen und überhaupt alle, die schon mit Verstand zuhören konnten.“ Für unsere Tage schier unglaublich ist die Erwähnung, „vom frühen Morgen bis zum Mittag las Esra vor“. Die Vorlesekompetenz des Vortragenden wurde damit umschrieben, dass Esra als Priester und Schriftgelehrter (sofer) vorgestellt wurde. „Esra stand auf einer Kanzel aus Holz, die man eigenes dafür errichtet hatte“, wohl damit man ihm besser zuhören konnte. Nicht unbedeutend ist auch die Bemerkung: „die Leviten, erklärten dem Volk die Weisung… sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.“

Das Gehörte an diesem „heiligen Tag zur Ehre des Herrn“ wurde gefestigt mit der kulinarischen Aufforderung: „Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein!“ Bei solch singulär festlichen Aufwand dürfte tatsächlich etwas hängen geblieben sein.

Bekenntnis und Zeugnis der Vortragenden kann selbst bei mittelmäßiger Lesung auch heute noch Hörerin und Hörer in Bewegung, wenn auch nicht gleich zum Weinen bringen. Mnemotechnische Mittel wie z.B. Satzbau, Wortwiederholungen und Rhythmus, die bereits im Text vorgegeben sind, mögen das Merken erleichtern. Doch was bleibt haften, wenn wir Woche für Woche, 52mal im Jahr die Botschaft nur hören?

Menschen, die nur hören und nicht lesen können, haben ein ausgeprägtes Gedächtnis und eine besondere Aufmerksamkeit.

Seit der allgemeinen Schulpflicht (18./19.Jhd.) und der damit verbundenen Alphabetisierung können viele Menschen im deutschsprachigen Raum lesen. Mit dem Lesevermögen haben sie in zunehmender Weise aber auch Gedächtnis und die Aufmerksamkeit zum Zuhören verlernt.

Deshalb hören in der Folge die Menschen beim Wortgottesdienst heute schlechter zu, ihre Gedanken gehen während des Vortrags gerne spazieren. Weitere Gründe für den Hörverlust in der Moderne kommen hinzu. Beim Verlassen der Kirche haben Gottesdienstbesucher schon vergessen, was sie kaum gehört haben.

Wir können auch lesen

Eine Maßnahme gegen das Vergessen könnte ein Leseblatt der Schriftlesungen sein, wie es in vielen Ländern üblich ist. Gottesdienstbesucher nehmen die Schriftlesungen des Sonntags verschriftet mit nach Hause und können im Nachgang die Inhalte nochmals zurückholen, vergegenwärtigen, meditieren, betrachten, studieren und in der Folge anwenden.

Der Akt der Vermittlung des Wortes Gottes, zu dem der gelesene Text werden möchte, war und ist durchaus kompliziert. Vormals mündliche Inhalte (Erzähltexte) werden gehört, später verschriftet und dann als Hl. Schrift wieder vorgetragen und in neuem Kontext erneut gehört. Es sind inzwischen Hörtexte, die schwer verständlich werden. Nicht zuletzt weil sich der Lebenszusammenhang und das Hörvermögen der Menschen gewandelt hat. Selbst bei bestem Willen reicht das Hören nicht mehr aus, die Inhalte zu verstehen. Es braucht mehr Redundanz, um die Inhalte zurückzuholen, zu vergegenwärtigen und sie hin und her zu bewegen (Ruminatio).

Ein Weg der Redundanz kann das wieder und wieder Hören in der Sonntagsliturgie sein, deren Texte sich bekanntlich spätestens im vierten Jahre wiederholen. Über Jahrzehnte hin gehört mag dann am Ende doch etwas hängen bleiben.

Ein anderer Weg der Redundanz ist das Lesen. Leseblätter der Schriftlesungen für die ganze Sonntagsgemeinde oder am Ende gar eine Bibel könnten eindeutig Abhilfe schaffen.

Hörvermögen und Leseverstehen ergänzen und überlagern sich. Am Ende bleibt die Botschaft, die einen Weg zum „hörenden Herzen“ finden möchte.

Reinhold Then, Regensburg

(Der Autor versucht gerade Leseblätter zu den Schriftlesungen der Sonntage in der neuen Einheitsübersetzung im deutschsprachigen Raum einzuführen. Sie sind derzeit abrufbar unter dem virtuellen Lehrhaus der Bibelpastoralen Arbeitsstelle:  http://www.bpa-regensburg.de)

Sagt die Bibel den Propheten Muhammad voraus?

Sagt die Bibel den Propheten Muhammad voraus? Als ich diese Frage das erste Mal las, hielt ich sie für ziemlich daneben. Wer kommt denn auf so eine Idee? Jetzt, nachdem ich mich für die Redaktion eines „Bibel heute“-Heftes länger damit auseinandersetzen musste, finde ich die Frage gar nicht mehr so seltsam. Sie macht mich nämlich auf etwas aufmerksam, was wir Christen schon immer – und meist unreflektiert – tun:

Mit großer Selbstverständlichkeit lesen wir Texte der Hebräischen Bibel, die wir „Altes Testament“ nennen, auf Jesus Christus hin. Nach christlicher Überzeugung ist der Messias Jesus von Nazaret das Ziel der Heilsgeschichte, die mit der Schöpfung begann. „Mose und alle Propheten“ künden nach dem Lukasevangelium „in der gesamten Schrift über ihn“ (Lk 24,27). Dazu gehört auch, dass Jesus von Nazaret in christlicher Überzeugung der letzte der Propheten ist.

Aus der Sicht des Judentums sieht das alles natürlich ganz anders aus. Dort endet die Reihe der Propheten mit Maleachi, der für den Jüngsten Tag die Wiederkunft des Elija ankündigt (Mal 3,23f). Die christliche Interpretation, die in Johannes dem Täufer den wiedergekommenen Elija sieht (Mt 11,14), vermochte das Judentum nicht nachzuvollziehen.

Wir haben also drei Weltreligionen, die nacheinander je für sich die Abfolge der Propheten für abgeschlossen erklärt haben, aber mit großer Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass die vorangehenden Heiligen Schriften ihre Propheten vorausgesagt haben. Und es ist interessant, dass sich Muslime auf dieselben Stellen der Hebräischen Bibel beziehen wie auch die Christen, zum Beispiel auf Dtn 18,18: „Einen Propheten wie dich [Mose] will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage.“ Während Christen das als Hinweis auf Jesus von Nazaret verstehen, ist es für Muslime einer auf Muhammad.

Für mich wäre der gemeinsame Bezug auf die Heiligen Schriften der Juden, Christen und Muslime eine gute Grundlage, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Und vielleicht etwas von der eigenen Arroganz im Umgang mit den Glaubensgeschwistern abzulegen.

Dieter Bauer

Faktisch – Postfaktisch – Kontrafaktisch

Die Wise Guys mit ihrem Song >Jetzt ist Sommer< und die Erzählung von Petrus im Gefängnis in der Apostelgeschichte

Der Ausdruck >Postfaktisch< wurde im letzten Herbst zum Wort des Jahres 2016 gekürt. Der Begriff zielt auf unsere gefühlte Wahrheit, die für unser Leben von Bedeutung ist. Unsere Wirklichkeit, die immer vielschichtig und mehrdimensional ist, beinhaltet verschiedene Wahr­heiten, denn aus menschlicher Sicht existiert >die eine Wahrheit< nicht.

>Kontrafaktisch< zur Wirklichkeit singen die >Wise Guys> in ihrem Song von 2011 ihre eigene gewünschte Realität:

„Wenn nix draus wird wegen sieben Grad…“, dann schaffen wir uns trotzdem einen schönen Sommer. „Ich drücke einfach auf den kleinen grünen Knopf und die Sonne geht an in meinem Kopf: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert, es ist Sommer, ab ins Gummiboot, der Winter hat ab sofort Hausverbot“.

Der Traum hier bei den >Wise Guys< von einer Kompetenz in uns selbst, die – auch wenn es >faktisch< alles andere als Sommer ist, bei uns diesen Sommer schafft!! Natürlich meint der Begriff >Sommer< in der Verwendung bei den Wise Guys auch ein viel weiteres Spektrum:

Ein Leben in Balance, mit sich selbst, mit den Menschen, die wichtig sind, die einen lieben, die man selbst liebt, der gute Kontakt zur Natur, zur Schöpfung bis hin zum Draht nach „oben“, zur Transzendenz, zu Gott.

Sommer ist, was im Kopf passiert

Aber auch das Gegenteil gibt es – die andere Realität. Dann ist >postfaktisch< kein Sommer, selbst wenn draußen 30 Grad angezeigt werden. Menschen finden keine Hoffnung, vielmehr herrscht Verzweiflung, Depression, Mutlosigkeit und für das Leben fehlt die Perspektive.
Was wäre das für ein Traum, wenn das möglich wäre:

„Ich drücke einfach auf den kleinen grünen Knopf und es ist Sommer“.

Im realen Leben wissen wir, dass wir hierfür mehr tun müssen. Gerade bei psychischen Krisen brauchen wir Geduld, denn so einfach legt sich der Schalter nicht um. Gespräche sind nötig, Therapien, Medizin. Und bei gesellschaftlichen Problemlagen braucht es das Bewusstsein, dass es in der politischen Diskussion nicht allein um Emotionen, sondern auch um Fakten geht. Auf jeden Fall aber ist zu wünschen, dass „der kleine grüne Knopf“ sich nicht zurückgeschaltet.

Werfen wir ein Blick auf die Erzählung von der Befreiung des Petrus aus dem Gefängnis in der Apostelgeschichte, Kapitel 12,6-11 und suchen nach dem >Faktischen<, >Kontrafaktischen< und >Postfaktischen<.

In Jerusalem hatte König Herodes Petrus verhaften lassen und in einer Gefängniszelle eingesperrt. In der Übersetzung der >Volxbibel< heißt es dann:

6 Eine Nacht vor der Verhandlung schlief Petrus seelenruhig in seiner Knastzelle. Zwei Soldaten, an die er mit Ketten gefesselt war, lagen neben ihn, ein dritter hielt vor der Tür Wache. 7 Plötzlich kam ein Engel mitten in die Zelle!

Es war so derbe viel Licht da, als hätte jemand einen 1000 Watt – Halogen­strahler angemacht. Der Engel weckte Petrus auf und sagte zu ihm:  „Hey Petrus, schnell, steh auf!“In derselben Sekunde wurden die Handschellen aufgesprengt.

8 „Zieh deine Klamotten an, nimm deine Jacke, und dann mir nach“, sagte der Engel zu ihm.9 Petrus ging hinter ihm langsam aus der Zelle raus, aber es kam ihm die ganze Zeit so vor, als würde er träumen. 10 Sie gingen, ohne dass jemand was mitbekam, einfach durch die Wachleute durch, einer nach dem anderen, bis sie schließlich an ein schweres Eisentor kamen. Das öffnete sich von alleine, sie gingen durch und waren auf einer engen Straße. Und zack, war der Engel auch schon wieder verschwunden. 11 Jetzt schnallte Petrus erst, was da gerade abgegangen war. „Ich habe nicht geträumt! Gott hat tatsächlich einen Engel vorbeigeschickt, um mich hier rauszuholen! Herodes kann noch lange warten, bis ich hingerichtet werde!“

Diese Geschichte wurde von einem unbekannten Schriftsteller und Evan­gelienschreiber verfasst, nachträglich von den Kirchenvätern wird er LUKAS genannt, gut 60 Jahre nachdem Petrus in Jerusalem gewirkt hat, und 30 Jahre nach dem Märtyrertod des Petrus.

Und so müssen wir >postfaktisch< gesehen sagen: die Erzählung ist zu allererst im Kopf des Geschichtenschreibers Lukas passiert. Schriftsteller arbeiten so.

Aber Lukas fasst in dieser Geschichte Erfahrungen von Gefangenschaft und Befreiung in Worte und spricht sie dem Petrus zu. Und wer von den Hörern und auch von uns kann nicht erzählen, was es heißt – real und auch innerlich – eingesperrt und gefesselt zu sein oder sich wie in einem Gefängnis zu fühlen. Wer kennt nicht das Erleben von Freiheit, von Befreiung, vom Aufsprengen der Fesseln?

Die Nacht, die Ketten, das Gefängnis sind reale Bilder für Verlorenheit und Unfreiheit. Das Licht, der Engel, die Überwindung von Hindernissen, die offene Tür sind Zeichen einer göttlicher Rettung.

Und der Verfasser des Textes stellt mit seiner Erzählung anschaulich dar, dass Gottes Macht größer ist als >faktische< staatliche Gewalt.

Dahinter steht die Erfahrung der jungen Christinnen und Christen: GOTT steht auf der Seite der Jesus–Leute. Die Befreiung erscheint für Petrus wie ein Traum. Mit traumwandlerischer Sicherheit wird sie zur Wirklichkeit.

Die Wise Guys könnten singen: „Befreiung ist, was im Kopf passiert“.

Bei Petrus ist der Schalter umgelegt, die Freiheit „geht an in seinen Kopf“.

Was sich in der Erzählung in Bilder verdichtet, kann in jeder Befreiung erlebt und erfahren werden. Lukas legt es dem Petrus so in den Mund: „Was da gerade abgegangen ist, habe ich nicht geträumt! Gott hat tatsächlich einen Engel vorbeigeschickt, um mich hier rauszuholen! Herodes kann noch lange, lange warten“.

>Postfaktisches< Erleben, >kontrafaktisch< zur Wirklichkeit als Motivation zur Überwindung realer Hindernisse.

Das zeigt die Erzählung aus der Apostelgeschichte. Und sie wünscht uns einen Engel auf unserer Seite und es passiert in unseren Köpfen: Menschen werden aus ihren inneren und äußeren Gefängnissen befreit, Fesseln werden gesprengt und Menschen können in einem Gleichgewicht wieder gut leben.

Kontrafaktisch – Postfaktisch – Faktisch

Dies ist Botschaft des Textes.

Dr. Ulrich Kmiecik, Berlin