Maske mal ganz anders

„Eintritt nur mit Maske!“ „Bitte setzen Sie Ihre Mund-Nasen-Bedeckung auf!“ „Maskenpflicht!“ So oder ähnlich lauten seit Monaten Erinnerungen oder Aufforderungen in der leidigen Corona Zeit.

Diese sind natürlich richtig und angemessen, denn es gilt, sich und andere vor der gefährlichen Ansteckung zu schützen. Von daher die Maske möglichst in allen Gesichtern.

Ansonsten kennen wir Masken eher nur noch im Theater oder beim Fasching und Karneval, wie etwa beim berühmten Maskenball.

Die Maske könnte uns aber auch mal ganz anders begegnen und uns wichtige Einsichten sagen:

„Ich heiße Maske. Eigentlich kommt mein Name aus dem Arabischen, mashkaret, und bedeutet Possenreißer. Aber das ist schon eine spätere Bedeutung. Ursprünglich gehöre ich zu den Geistern und Dämonen. Fast in jeder alten Religion trete ich auf und offenbare, was man nicht auf den ersten Blick sieht. Durch mich wurde sichtbar, dass es auch noch andere Mächte und Gewalten gibt, die den Menschen durchaus negativ beeinflussen können. Leider wurde ich im Laufe der Zeit verharmlost und nicht mehr ernst genommen. Man drehte meine ursprüngliche Funktion um: nicht mehr offenbaren, sondern verbergen sollte ich. So sagt ihr ja auch manchmal: Der oder die verbirgt das Gesicht hinter einer Maske. Oder wenn jemand ehrlich wird: Jetzt lässt er seine Maske fallen und zeigt sein wahres Gesicht.

Offenbar möchten die Menschen gar nicht so gern, dass man ihnen in die Augen sehen kann. Sie möchten lieber selber alles sehen, aber nicht gesehen werden. Sie spiegeln lieber falsche Tatsachen vor als dass sie sich selber im Spiegel anschauen.

Im Grunde bin ich nicht sehr glücklich, dass die Menschen aus mir ein Mittel zum Versteckspiel gemacht haben. Denn das Angesicht gibt doch dem Menschen Ansehen. Das Gesicht zeigt seine Seele. Ja, „die Liebe bedarf zutiefst des Gesichtes“ wie einer eurer Philosophen sehr schön sagt. (Hans Blumenberg) So ist doch Sehen und Gesehen werden ungeheuer wichtig für euer Leben.

Die Bibel sagt, dass wir erst recht keinen Grund haben, uns zu verstecken. Denn der Mensch hat ein unvergleichliches Ansehen bekommen durch GOTT. Demnach seid ihr sogar Abbilder Gottes. Euer Gesicht offenbart etwas von der Würde und Größe Gottes. Ihr könntet im ursprünglichen Sinn des Wortes meine Aufgabe wieder erfüllen: offenbaren, zeigen, deutlich machen, und zwar die positive Wirklichkeit des Lebens, die gute Macht, die den Menschen trägt und jedem eine unantastbare Würde verleiht.

Ich will euch mit diesen Worten und meinem nötigen Gebrauch in dieser Zeit die Lebensfreude nicht verderben. Ich möchte euch nur aufmerksam machen, in welch bedeutsamer Tradition ihr steht, wenn ihr so etwas wie mich in diesen Tagen tragen müsst. Es wäre sehr erfreulich, wenn das bald nicht mehr nötig ist. Dann könnt ihr mich ruhig wieder beiseitelegen und euer wahres Antlitz zeigen.“

H.-Konrad Harmansa, Leipzig