Gott wohnt in einem Lichte – Teil III

Lectio divina auf dem Jakobsweg

3. Auch deines Hauptes Haare sind wohl von ihm gezählt. Er bleibt der Wunderbare, dem kein Geringstes fehlt. Den keine Meere fassen und keiner Berge Grat, hat selbst sein Reich verlassen, ist dir als Mensch genaht.

Am nächsten Morgen gibt es keine Frage. Wir gehen zusammen weiter. Mein erstes Frühstück zu zweit auf diesem Camino. Warum muss man bis nach Portugal reisen, um Menschen zu treffen, die zu einem passen? Warum geschieht das nicht in meiner Heimatstadt Magdeburg?

Heute geht es über den höchsten Pass des Camino Portugues. Aber da komme ich erst nachmittags an und dann auch wieder allein.

Wir laufen und tauschen uns immer weiter über die Suche nach Gott oder dem Göttlichen aus, über das Leben in einer religionslosen Gesellschaft. Wir sind im Schritt und in den Gedanken im Gleichklang. Ich erzähle ihm von diesem rätselhaften Namen des Höchsten. Ich bin der ich bin. Matthias findet wichtig, dass dieser Name in der Gegenwartsform formuliert ist. Er meint, ich solle Gott in der Gegenwart suchen, im Hier und Jetzt.

Da fragt Matthias, ob wir nicht ein Lied singen wollen? Ich: Hm, kann man mal versuchen. Stimme mal was an.

Und Matthias singt auf eine ganz einfache Melodie:

„Mein lieber Freund, mein lieber Freund.
Lass mir die sagen, wie wertvoll du mir bist.
Alles was wir teilen ist schön.
Ich mag dich sehr.“

Ich bin gerührt. Ich lasse mich ein Stück zurückfallen. Jetzt schlucke ich. Und dann wandern wir und singen gemeinsam dieses Lied.

Irgendwann vorm Pass will Matthias das Tempo erhöhen. Er hat noch Reserven. Da trennen wir uns. Ich fühle mich gut dabei. Wie schön, diesem Menschen begegnet zu sein. Darüber will ich nachdenken.

(Fortsetzung folgt…!)

Torsten Bühring, Magdeburg

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