Auf dein Wort hin

Auf dein Wort hin

„Auf dein Wort hin.“ Dieser kurze Ausschnitt aus dem Lukasevangelium hat mich eine ganze Woche begleitet, da er in der zweiten Februarwoche Te Deum am Anfang des Nachtgebetes als Impuls stand und am 5. Sonntag im Jahreskreis Teil des Sonntagsevangeliums war.
„Auf dein Wort hin“ – auch wenn der abgedruckte Impuls deutlich länger war und der zugehörige Evangelientext (Lukas 5,1-11) noch länger, so blieb ich doch immer nur bei diesen vier kurzen Worten hängen.
„Auf dein Wort hin“ – es hat mich beeindruckt dieses – ja – Credo des Simon, das er einem zu diesem Zeitpunkt wildfremden Mann gegenüber aussprach. Und es hat mich auf mein Leben schauen lassen und die Frage kam auf: „wo hast du denn auf sein Wort hin gehandelt, bzw. eben nicht?“ Dies wurde noch verstärkt durch die im Te Deum (Februar 2019, Seite 101) abgedruckte Frage: „Reicht Gottes Wort so weit in meinen Alltag wie bei Petrus?“ Es lies mich manchmal sprachlos und antwortlos zurück.
„Auf dein Wort hin“ – ich bin dran hängengeblieben an diesem Satz, auch über die zweite Februarwoche hinaus. Und es ging mir immer wieder durch den Kopf, wie Menschen zu allen Zeiten vermeintlich auf Gottes Wort hin handelten und wie oft sie ihr eigenes zu Gottes Wort machten um ihre eigenen Taten zu rechtfertigen. Wie oft auf diese Weise Gottes Wort missbraucht worden ist, durch die Geschichte hindurch.
„Auf dein Wort hin“ – es hat mich einfach nicht losgelassen. Und irgendwann weitete sich plötzlich der Blick auf die ganze Schrift hin und mir wurde bewusst, in welchem unbegreiflich größeren Kontext dieser Satz des Simon doch steht: Gott spricht und die Erde entsteht (Gen 1,3), Gott spricht und Abraham zieht los, Gott spricht und Mose ist bereit sich dem Pharao entgegen zu stellen, Gott spricht und die ProphetenInnen werden berufen, Gott spricht und eine junge Frau lässt sich auf ein ungeahntes Abenteuer ein und letztlich „Er spricht: Ja, ich komme bald“ (Offb 22,20) und mahnt im letzten Buch der Bibel bereit zu sein für das Kommen des Herrn. Vom ersten bis zum letzten Blatt – wortwörtlich – ein Buch, dass sich auf „sein“ Wort hin ausrichtet. Alles steht in seinem Wort.
„Auf dein Wort hin“ – es bleibt die Frage nach mir und meinem „Gehen“ in seinem Wort, es bleibt das Problem der vielen grausamen Taten, die angeblich auf Gottes Wort hin geschahen. Es wächst aber auch die durchaus tröstliche Erkenntnis, dass selbst Menschen wie Simon Petrus immer wieder neu auf „sein Wort hin“ aufbrechen mussten und durften um ihre Aufgabe zu erfüllen; dass Menschen wie die ProphetInnen manchmal regelrecht überzeugt werden mussten (Stichwort: Jona) um auf sein Wort hin tätig zu werden. Und schließlich bleibt das Wissen, dass nicht mein Wort oder dass eines anderen Menschen das letzte Wort sein wird, sondern das SEINE.

Daniel Pomm
Diözesanleiter des Katholischen Bibelwerks im Bistum Erfurt

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